SOUNDTRACK
Filmisch, dachte ich mir gestern,
gibt mein Alltag wenig her.
Weder Horror, Thriller, Western,
auch bei Rom und Com: prekär.
Doch dann zoomten meine Augen
in die Plattensammlung rein.
Wenn auch Cast und Plot nix taugen,
reicht die Filmmusik allein.
Lyrisch ist mein Bariton,
Sing’ ihn jeden Morgen live
In das Duschkopfmikrofon.
Dürft mir glauben: Scala-reif.
Manchmal wenn ich einfach sitz,
Oder auch, wenn ich mal wandre,
Wenn ich dann die Lippen spitz,
Pfeiff ich im ‚Frühtau‘ oder andre
Alte Schlager vor mich hin.
Sie begleitem mich, wie ich es mag,
Und wenn ich einmal traurig bin,
Wird daraus ein schöner Tag.
Ich spiele meinen Lieblingssong
als Mix, in Dauerschleife,
erst schallt es PING und darauf PONG,
wenn ich zum Schläger greife.
Ich mag den Rhythmus wie den Beat,
den Hall der satten Töne,
weshalb ich mit dem Ballsport-Lied
zwei Leidenschaften fröne.
🏓🎶
Im Hintergrund klingt leis Musik,
Während ich die Verse schreib.
Über einen alten Freak
Und dem etwas jüngern Weib.
Die Musi kommt von Grateful Dead,
Garcias Klampfe und Gesang
Klingt irgendwie ganz nett –
Nur das Gedicht wird nicht sehr lang.
Hör von fern das Nebelhorn,
Das Lachen einer Möwe.
Erst von links und dann von vorn,
Mir scheint, da brüllt ein Löwe.
Plötzlich eine Klarinette –
Wie eine schwarze Schlange.
Der Held raucht eine Zigarette
Und lebt dann nicht mehr lange.
Wie manche Leute Stimmen,
So hör’ ich immer Töne.
Zum Glück sind’s keine schlimmen,
Nein, es sind durchweg schöne.
Sie untermal’n mein Leben,
Wie im Film, wie’s gerade passt.
Du meinst, das kann’s nicht geben?
Doch klar, wenn du ’nen Vogel hast!
Ein fahler Schatten kommt von links,
Zwei, drei Geigen seufzen leise.
Von rechts die Hausfrau mit den Drinks,
Das Fagott spielt eine alte Weise.
Es unterbricht der Geigen Klänge,
Der lange Schatten jetzt erstarrt.
Das zieht die Spannung in die Länge,
Derweil die alte Türe knarrt.
Es stöhnt die Mundharmonika,
In der Ferne pfeift ein Train.
Er kommt von Santa Monica,
Bill schaut hoch und flüstert: Rain.
Wie aus dem Nichts erscheinen Männer,
Bill spukt aus, flucht vor sich hin.
Und dann bläst der alte Penner
Die Harmonika so wie vorhin.
Wenn Britt Liebeskummer hatte,
was gern vorkam, nebenbei,
hörte sie daheim die Platte
mit dem Track „As Time Goes By“.
War es wieder einmal schlimmer,
lief der Song meist im Repeat,
denn im Film hieß es ja immer:
„Spiel noch einmal, Sam, das Lied.“
🎼❤️🩹
Der Soundtrack einer Reise
In einem I.C.E.
Ist einmal laut, mal leise
Entlang dem Genfersee.
Wie ein Schlagzeug über Weichen,
Dann schneller als ein Pfeil
Oder in den Bahnhof schleichen –
Der Soundrack bleibt voll geil.
Aus Leons Zimmer dröhnt es laut,
weil dieser ständig YouTube schaut:
Schon früh am Morgen gellt ein Schrei,
danach ein Klopfen: POLIZEI!
Es kracht, man hört Getrampel jetzt
und einen Hund, der was zerfetzt…
dann Mutti, die von unten kräht:
„Los, ab zur Schule, ist schon spät!“
Wenn ich im Wald spazieren geh,
Nimmt der Bäume Rauschen seinen Lauf.
Mit etwas Glück taucht dann ein Reh
Auf einer grünen Lichtung auf.
Das Konzert der Vögel stimmt
Mich froh und wohlgemut.
Wenn man es als Soundtrack nimmt,
Wird der Film nochmal so gut.
Glockenspiel zum Winterwald,
Es posaunt der Hirsch am Waldesrand.
Von fern ein Waldhorn schaurig hallt,
Die Geigen kommen leis vom Band.
Dann ein Schrei, ein Rabe kräht,
Wieder Geigen, leis und fein.
Zu guter Letzt, schon fast zu spät,
Setzt auch noch ein Schlagzeug ein.
Wie es brutzelt und gurgelt,
Aus dem Radio Mani Matter.
Und wie der Braten schmurgelt,
Schon ziemlich Farbe hat er.
Das Kind spielt mit der Eisenbahn,
Es hat noch keine Sorgen.
Die Mutter schaut es zärtlich an –
So klingt ein Sonntagmorgen.
Ich hör den Klang der Sterne,
Nächtens, wenn die Tiere schlafen.
Und doch, aus weiter Ferne
Geräusche wie von Schafen.
Das Blöken, Meckern, Klagen,
Ein Scharren, dann die Stille.
So wirkt in diesen Tagen
Der Soundtrack wie ‘ne Pille.
Ich stell den Ton ganz leise,
Konzentrier mich auf die Bilder.
Begeb mich auf die Reise
Durch ein tiefes Tal aus Silber.
Da müsste jetzt, so sag ich mir,
Einer Flöte Klang erklingen.
Dazu vielleicht sogar drei, vier
Süsse Engelein die singen.
Ein Mann in einer Gasse
Zum Klang einer Posaune,
Dem Wummern von ‘nem Basse
Und Hintergrundgeraune.
Schemen intonieren Stimmen,
Da, das Fauchen einer Katze.
Ein Schuss! die Lichter dimmen,
Grossaufnahme einer Tatze.
Ich hab sieben Schwestern
Na ja, darauf reimt sich gestern und lästern
Wir übten alle Klavör
Denn unser Cousin hat das absolute Gehör
Klappte bei uns nicht ganz
Dafür bei manchen der Tanz
Wir hören aber absolut auch
Auf unseren Bauch
Die Lieblings-LP von H. Schmitt
brach jüngst entzwei, als er sich stritt,
und seine Frau ihn damit schlug,
weil sie den Sound nicht mehr ertrug.
Die Sache ging am Ende bloß
für Evelyn nach hinten los,
Horst jault jetzt selbst den ganzen Tag
die Fußballsongs, die er so mag.
Göransson gewinnt mit „Sinners“,
Nimmt den Oscar mit nach Haus.
Bowie’s „Absolut Beginners“
Entlockte mir geflashte „wows“.
Auch Vangelis konnte mich
Begeistern vor zig Jahren.
Denn Ridley’s Flick war göttlich,
Cool und abgefahren.
Meine alten Lieblingsplatten
Werfen ihre Schatten
Lennon Cohen
Und Frau Joplin
Sind schon lange tot
Sie besangen meine Lebenslagen
Verstanden jede Not
Im Tal Plätschern, Gurgeln, Rauschen
Wanderer folgen des Baches Lauf
Bleiben immer wider stehen, lauschen
und es hört nicht auf
Der Kuckuck ruft, es hämmert der Specht
Ein Freiluftkonzert hammermäßig echt!
Weißt du, was ich besonders vermisse?
Dein genussvolles, leises Schmatzen,
meine Lieblings Geräuschkulisse
Sie kann an deinem Image nicht kratzen.
Ich kenn dich doch, zur süßen Not
isst du noch ein Konfi-Brot
Musik! Das war sein letzter Wille.
Nach der Bestattung: nichts als Stille.