WIR MALEN EIN BILD
Ganz links oben fang ich an
Und mache auf den Weg mich,
Um ganz unten irgendwann
Mit einem dünnen Strich
Das Gemalte einzufangen,
Aufzulockern und alsdann
An’s Ende zu gelangen –
Heute oder irgendwann.
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Gut, dann mal ich heut ein Bild,
Auf dem du schön zu sehen bist.
Die Haare mal ich ziemlich wild,
Weil mir die Wildheit wichtig ist.
Die Augen, ach, wie lieb ich sie,
Ich mal sie wunderbar lasiert.
Leider fehlt dein schönes Knie,
Wie das bei Portraits oft passiert.
Mir scheint, ich sei mal wieder
Völlig solo und allein
Schreib ich meine Verse nieder;
Mehr allein kann man nicht sein.
Nur weil ich auch Maler bin,
Heisst das doch noch lange nicht,
Dass ich ganz alleine hin
Und wieder hier mal dicht.
Kann es denn wirklich sein,
Dass, wenn ich mich so umschau,
Ich einmal mehr so ganz allein
Ein paar Gedichte raushau?
Doch nun noch schnell ein Bild gemalt,
Bevor das hier zu Ende geht,
Aus dem die grosse Kunst erstrahlt
Und Genius herüberweht.
Wo sind all die Dichter*innen,
Wo sind die Guten wohl bloss hin?
Kann mich gut zurückbesinnen
Und glaubt nur nicht, dass ich jetzt spinn.
Wir waren einmal sehr viel mehr,
Wo sind sie alle nur geblieben?
Dass alle weg sind, nervt schon sehr,
Sie hatten doch so schön geschrieben.
Ich kann so gar nicht malen,
’s gelang mir wirklich nie!
Ich kann’s nicht mal nach Zahlen,
Ich wüßt auch nicht mal wie –
Wie soll ich wo denn starten?
Ich krakele mich frei:
Ein Baum, ein Haus mit Garten –
Und mein, dass ich Kandinsky sei.
Gibt Herr Dürer grade nicht
Kunst- und Matheunterricht,
dann vergnügt er sich mit Malen –
und zwar ausschließlich nach Zahlen.
Auch die Schüler dieses Herrn
zeigen kreativ sich gern,
sprayen Murals an die Wände,
nachts, auf dem DB-Gelände.
🛹😜
Ich starre, Pinsel in der Hand,
gebannt auf meine Staffelei,
gespannt und weiss die Leinenwand,
wann kommt wohl das Motiv vorbei?
Mein Selbstporträt ist, wie ich find,
der absolute Knüller,
für andre bleibt‘s ein Brüller,
denn ich bin nun mal farbenblind.
Heute ist ein schöner Tag,
Sonnenhell wie ich sie mag.
Geh mit Staffelei und Leinwand raus,
Geh auf Motiv gleich hinterm Haus.
Grundiere und skizziere dann
Den hellen Baum im dunklen Tann.
Und weil ich male, was ich seh,
Mal ich noch ein scheues Reh.
Hab’s unten rechts mal angefangen,
Müsste doch auch geh’n,
Will so nach oben links gelangen.
Ob’s geht? Wir werden’s seh’n.
Wir malen ein Bild mit Kreide
nach Art von Vincent van Gogh,
es fehlt, das wissen wir beide,
uns etwas Routine noch.
Wir malen sein Werk mit Kühen
inmitten grüner Natur,
und Margeriten, die blühen,
am Rande von Hain und Flur.
🐄 #Juli1890 #LesVaches🐄
Einst hing in einer Galerie
ein Kunstwerk voller Phantasie,
gemalt von einem Bonobo
aus dem berühmten London Zoo.
Weil Congos Werk recht teuer war,
hab ich dann dieses nachgemalt –
ein wenig unbeholfen zwar,
doch war’s von gleicher Bildgewalt.
Mit einem Edding malt Klein-Frank
für seine Mama, die grad chillt,
ein megamega Monsterbild
auf den brandneuen Kleiderschrank.
Als Straßenkünstler in Pisa
malt Rocco so manches Motiv,
doch lächelt die ‚Mona Lisa‘
bei ihm leider meist etwas schief.
Ich trete einen Schritt zurück,
Schau es aus Distanz mir an.
Da unten links, da fehlt ein Stück,
Müsste noch mehr Farbe dran.
Wie wär’s mit rot, wie wär’s mit blau,
Etwas Erdiges wie Ocker?
So wie’s jetzt ist, völlig mau,
Haut’s mitnichten mich vom Hocker.
Das Gesicht, das ich hier male,
Ist ein Gesicht von ganz weit her.
Und die feine Haut, die fahle,
Zu malen fällt mir ziemlich schwer.
Doch das Lächeln auf den Lippen,
An das ich mich erinnern kann,
Als würden sie Champagner nippen,
Ziehen mich in ihren Bann.
Die Leinwand sah mich schweigend an,
Schweigend wie ein stiller Tadel.
Weil ich noch kein neues Bild begann,
So ein Bild mit feschem Madel.
Ein Madel malen wär mir recht,
Das fänd ich auch als Akt fein.
Da wäre ein Model nicht schlecht,
Nur müsste es halt nackt sein.
Ich male viele Bilder,
aber nur in meinem Kopf,
manche ruhig, manche wilder,
wie bunte Farben aus dem Topf.
Ich seh sie nur alleine,
male nicht auf Wände,
Betrachter gibt es keine,
das verhindern linke Hände.
Herr W. malt einen Nackedei
im Wald, auf einer Lichtung,
und nimmt sich heute einmal frei
bezüglich Reim und Dichtung.
Die Schönheit, die für ihn hier post,
liegt schon auf seiner Decke,
nur wirkt am Bauch sie leicht bemoost,
die kleine Wald-Wegschnecke.
👨🏼🎨🐌 #ArionSilvaticus
G. Flegel malt ein Spiegelei,
dazu noch Brot nebst Messer,
er fügt auch ein Glas Weißwein bei,
denn das verkauft sich besser.
Es spiegelt sich in diesem Ei
die helle Mittagssonne,
verlassen hat die Staffelei
Herr F. und schmatzt mit Wonne.
#GeorgFlegel #StilllebenMitSpiegeleiern
(1630/1638)
Wie ich’s in den Knochen merk,
Wird dieses Bild mein Alterswerk.
Noch bevor ich Braun und Blau
Zusammenmisch zu einem Grau,
Seh ich schon, das wird abstrakt,
Wenn nicht, hab ich’s bereits verkackt.
Dann wär das Bild mein letztes
Und dies Gedicht ersetzt es.