AB MORGEN
Nein, ich schwöre dir, ich tu’s,
morgen sag’ ich’s diesem Chef,
Wut-Emoji im Betreff!
Heute hab’ ich noch To-dos.
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×#PoesiePingPong?
Im Juni 2019 hat Martin Suter begonnen, mit allen, die Spass daran hatten, Poesiepingpong zu spielen. Aus Vergnügen am Reimen und als Zeichen gegen die Verrohung der Social Media. Ursprünglich lief das Spiel über Twitter. Martin Suter likte die Verse, die ihm gefielen und deren Rhythmen und Reime stimmten. Diese wurden dann auf martin-suter.com animiert wiedergegeben. Hier können Sie in den vielen hundert entstandenen schmökern. Dann wurde Twitter zu X und X wurde zu einer Plattform, mit der wir PPP-Spielerinnen und -Spieler immer weniger zu tun haben wollten. Wir verliessen X und Musk und Trump und spielen nun hier unbehelligt, fröhlich und friedlich weiter. Spielen Sie doch mit.
×Posted on Written by Felix Tandem
AB MORGEN
Nein, ich schwöre dir, ich tu’s,
morgen sag’ ich’s diesem Chef,
Wut-Emoji im Betreff!
Heute hab’ ich noch To-dos.
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Ab morgen klingt nach Vorsatz, Mann
Ich halt den Ball noch flach,
damit ich wieder ratzen kann
Bin immer zu früh wach
Wenn ich das schon hör,
Wenn einer sagt: Ich schwör …
Dann kann ich ziemlich sicher sein,
Er schenkt nicht reinen Wein mir ein.
Im Gegenteil, er nimmt mich
Auf den Arm und freut sich,
Dass er mich verarschen kann,
Und fängt nochmals von vorne an.
Silvester, kurz vor Mitternacht,
gab ich mir das Versprechen
„Ab morgen gleich wird Sport gemacht!“,
um es tags drauf zu brechen.
Ich schwör, ab morgen wird es anders,
Indianerehrenwort darauf.
Ich schwör, betreffend des Korianders,
Dass ich den nie wieder kauf
Und hinter deinem hübschen Rücken
Einen Eissalat zugrunde richte.
Nein, morgen werd ich dich beglücken –
Statt des Korianders gibt’s Gedichte.
Ab morgen ändert sich mein Leben,
ich gehe dann Gewichte heben,
esse nur noch Weizenkleie
und tanze nirgends aus der Reihe.
Bestimmt gewinne ich im Lotto
und danach das Herz von Otto,
dazuhin werde ich ein Star,
ach, wie wird das wunderbar.
Ganz andre Saiten zöge man
ab morgen doch mal auf,
so drohte Omi dann und wann –
wir nahmen das in Kauf.
Wir Strolche hatten zu viel Spaß
an ihrem Kunsthaar-Zopf,
der wirklich Potenzial besaß
auf einem Kinderkopf.
Durch’s Zeitfenster ein Blick
vor und zurück
Was dürfen wir hoffen?
Ausgang offen
Wir ahnen und planen
in Pflicht und Kür
das Fütür
Das Passé
betrachten wir freudig oder weh
Liebe Leute
morgen ist heute
Sie geht in Dichterinnen Teilzeit, ab morgen
Fischt weiterhin nach Sätzen
versorgen
tut sie sie in Netzen
digital
Joa, schaun mer mal
Hört, hört
Er schwört
Das lass ich mir nicht entgehen
Will seine erhobenen Finger sehen
Da fehlt doch einer für die Wahrheit
Ist so, er hat die Schreinerkrankheit
Schwört er nun Meineid?
Ich gebe dir mein Ehrenwort,
Sagte sie, worauf ich’s nahm.
Als ich es nahm, musste sie fort
Und machte, dass sie wegkam.
Nicht ohne noch zu schwören,
Dass ihr Ehrenwort was gelte.
Ich soll sie nie mehr stören,
Sie zur Bedingung stellte.
Ab morgen gibt‘s bei Imbiss Flott
den totfrittierten ganzen Hahn
auf Kundenwunsch nun auch vegan –
ein Meilenstein im Kohlenpott.
Der Einfall kam ihm nach drei Bier
und auf die Frage nach dem Wie,
da schwärmt Heinz Flott voll Euphorie
vom Austernpilz in Reispapier.
Den philosophischen Gedanken
Geb’ ich Euch heute auf den Weg,
Umsonst, nein, nichts zu danken,
Ohne Rechnung und Beleg:
Ab morgen, liebe Leute,
Da ist es – nicht mehr heute.
Ab morgen, rät seine Tante,
verlange endlich Tantiemen,
du bist zwar kein Dante
auch für Gedichte muss man was nehmen
Für ihn zähle nur das Ideelle
Seine Quelle
Hört, hört,
er schon wieder schwört
Selbst Arzt, nun betagter Patient,
als Wissenschaftler er die spezifischen Daten kennt
Bleibt ihm sein Garten
Dort behandelt er Blumen aller Arten
Jeden Morgen
wird er sie versorgen
Im Pays d’Oc
Good Doc
Du wirst schon sehen, morgen,
Wenn der junge Tag erwacht,
Sind vergessen unsre Sorgen,
Weil uns dann die Sonne lacht.
Weil ein neuer Tag uns beiden
Weisen wird, dass unser Leiden
In Wahrheit eingebildet war –
Ich schwör dir, das wird wunderbar.
Ja, Morgen ist das Zauberwort,
mit dem man Heute ruhigstellt.
Man legt die Pflicht an einen Ort,
damit sie heute nicht mehr zählt.
Was du morgen kannst besorgen,
Verschiebe nicht auf heute.
Du ersparst dir viele Sorgen,
Die Sorgen, dummer Leute.
Sei heute glücklich und zufrieden
Und lass den Morgen Morgen sein.
Den kannst du dann verschieben,
Sag zum nächsten einfach nein.
Jaja, da spuckst du große Töne.
Ich wünsch, es wäre war,
dann fühlten sich die Zuhältersöhne
nicht mehr so unantastbar.
Ich glaube dir kein Wort –
du bleibst doch immer still
und machst nur was er will,
und setzt den Mist mit fort!!
Mutlos schaut mein Schneemann aus,
ihn umgibt nun eine Pfütze;
nur das Rübchen ragt heraus
unter der verrutschten Mütze.
Noch hofft unser Trauerkloß
auf die nächste Kältewelle,
doch ab morgen sieht man bloß
sein Ornat an dieser Stelle.
Prokrastinieren:
Ich erledige es überübermorgen
Besser gleich probieren
Sofort versorgen
Gut Ding braucht Weil heißt es aber
Ist auch ein Rat und kein Gelaber
Morgen
haben wir gesagt
Und dann
noch einmal vertagt
#poesiepingpong
Lasst mich damit bloss in Frieden.
Diesmal wird der Tag gemieden.
Diesmal wird es mir gelingen,
Morgen mal zu überspringen.
Ab heute ist doch jetzt AB MORGEN.
Auch gestern war es schon so weit.
Macht Euch darüber keine Sorgen,
Das Phänomen, das nennt sich Zeit.
Ab morgen, schwört das Gürteltier,
schnürt es sein Wams mal enger,
verzichtet auf das 3. Bier
und läuft beim Training länger.
Ab morgen tut es, was es kann,
um echt gesund zu leben
und wird darauf noch heute dann
voll Stolz ein Schnäpschen heben.
Für Heitogone
Wir denken linear
Zeit selbst ist immerdar
Apropos, wie spät ist es, zwei?
Gerade vorbei
Hartmann will sein
beweglicher, unbedingt
Er schwört Stein und Bein
Wenn das man nicht hinkt
Du meinst
das Morgen, das gestern kam,
mir meine Sorgen nahm,
mir meinen Weg beschrieb,
und dann im Gestern blieb?
Das mir ein Glück versprach,
manche Gewohnheit brach,
mir die Gedanken klärt,
sich heut nicht um mich schert?
Gestern dachte ich, vielleicht
Gibt es heut den neuen Aufschlag.
Dachte, über 20 Tage reicht,
Dass man mal was Neues mag.
Also setz ich all mein Sehnen
Einmal mehr gezielt auf morgen.
Denn ich weiss, in meinen Genen
Liegt noch ein Gedicht verborgen.